Pflegenotstand

Diesen Text habe ich heute bei facebook gefunden. Ich werde meinen Senf im letzten Abschnitt dazu geben.

Eine traurige anonyme Zuschrift erreichte mich über die Feiertage, welche ich auf Wunsch des Verfassers in Teilen veröffentlichen darf und mit welcher ich nicht bis im neuen Jahr warten wollte:

„Lieber „grauer Star“, ich muss meine Geschichte erzählen welche ich erlebt habe. Ich bin seit 25 Jahren in der Pflege tätig, habe als Helferin angefangen, wurde Altenpflegerin und bin nun seit fast 10 Jahren Wohnbereichsleitung. Ich arbeite in einem größeren Seniorenzentrum mit fast 180 Betten.

Nun haben wir, wie vielleicht viele von den Seniorenzentren in dieser Zeit, sehr viel Stress. Mein Wohnbereich hat 30 Bewohner, durch Krankheit sind wir momentan seit fast 5 Tagen gezwungen nur mit einer 2er-Besetzung in beiden Tagdiensten zu fahren, was das heißt für die Bewohner und die Pflege, muss ich jetzt niemandem erklären. Auf den anderen Wohnbreichen (insgesamt haben wir sechs Stück) ist es ähnlich schlecht und das Personal geht auf dem Zahnfleisch.

Heute hatten wir eine Sitzung mit der Pflegedienstleitung (die fünfte seit zwei Jahren) in welcher es um den Dienstplan ging. Dabei konnten Dienste am Nachmittag nicht abgedeckt werden, weil sich aktuell drei Kolleginnen krank gemeldet hatten. Also haben wir uns bis heute Abend um 20 Uhr hingesetzt und versucht Lösungen zu finden (Anmerkung: Dieser „Tag“ war laut Angabe der Verfasserin der 24.12!), dabei wurde die Pflegedienstleitung immer ungehaltener und setzte uns als Wohnbereichsleitungen unter Druck, wie es sein kann, dass wir es nicht schaffen die Dienste zu decken.

Als alles nichts half, wurden der Reihe nach alle Pflegekräfte, welche verfügbar waren angerufen oder ins Büro zitiert um sie einspringen zu lassen. Dabei wurde eine Helferin, welche aktuell 15 Tage gearbeitet hatte so unter Druck gesetzt, dass sie vor unseren Augen zusammen gebrochen ist mit einem leichten Infarkt. Sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Die einzige Reaktion der Pflegedienstleitung war „Sie muss auch mal lernen „Nein“ zu sagen, selbst Schuld.“ Alle Wohnbereichsleitungen waren fassungslos und geschockt darüber. Ich habe es mir lange überlegt und am selben Tag noch, nach 12 Jahren in diesem Heim, gekündigt. Ich kann und will unter solchen unmenschlichen Zuständen nicht mehr arbeiten oder mein Personal verbrennen.“

Nun die Frage an alle Pflegekräfte da draußen, wem geht es ähnlich? Wir alle leiden, werden auch mal aus dem Frei geholt, angerufen aber jetzt mal ehrlich, es gibt auch Grenzen oder?

Wo ist die Menschlichkeit geblieben und der Respekt vor unserer Arbeit als Pflegekräfte? Und wo ist unser Rückgrat geblieben um solche Zustände zu verhindern oder auch die Konsequenzen zu ziehen.

Wie lange lassen wir uns noch als „Kostenfaktor“ sehen anstatt als „Leistungsfaktor“. Es ist traurig und kalt geworden in der Pflege. Diesen Zynismus hat niemand verdient.

Mein Senf

Überall liest man, wie schlecht Seniorenheime geführt werden.

Mit diesem Text oben müssten die Menschen in Deutschland informiert sein, über die bescheidene Lage, in der Pflege.

Es geht wieder um ein Seniorenheim.

Aber nicht nur die pflegebedürftigen leiden unter den menschenunwürdigen Bedingungen.

Ich selbst bin seit 2010 raus, aber geändert hat sich immer noch nichts.

Das Bundesgesundheitsministerium hat zwar die Pflegestärkungsgesetze I,II,III auf den Weg gebracht, aber das bringt nicht  mehr Personal in Dauerpflegeeinrichtungen.

Im Gegenteil, zur Umsetzung fehlt teilweise das Personal.

Im Saarland werden wohl in 2017 Klinken bestreikt.Das ist gut so.

Aber Senioreneinrichtungen haben teilweise Träger die sich nicht an den Tarifen im öffentlichen Dienst halten müssen. Im Gegenteil, sie schaffen sich eigene Verträge zum Beispiel die Arbeitsrechtlichen Kommissionen der evangelischen und der katholischen Kirche.

Beispiel:

Mit der Generalistik werden noch mehr Betreiber von Senioreneinrichtungen Lohnkürzungen durchsetzten wollen.
Der Lohn in der Altenpflege ist niedriger als in der Krankenpflege, das soll mit der Generalistik behoben werden, das ist gut und richtig.
Aber bitte nicht mit Lohnkürzungen.
Immer mehr Pflegekräfte machen den #Pflexit, sie halten die Arbeitsbedingungen nicht mehr aus. Sie steigen aus dem Beruf aus.
Die Politik zäumt das Pferd von hinten auf.
Die Arbeitgeber in der Pflege, die Träger der Einrichtungen oder die Betreiber von Pflegediensten, müssen mehr Geld für Personal investieren.
Ins Gesundheitssystem muss mehr Geld fließen, und nicht nur in die Geldbörsen der Krankenversicherungen und deren Geschäftsführer.
Wir stehen mitten im Pflegenotstand,  und es wird Menschenleben kosten, wenn das Ruder nicht binnen ein paar Monaten rum gerissen wird.
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